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Berufung Bloggen

Das Thema des dieswöchigen Webmaster Friday Bloggen als Beruf? gibt mir die Gelegenheit einige Überlegungen aus meinem letzten Artikel Arbeitskraft – mein größtes Vermögen? etwas klarer auszuformulieren. Ich möchte daher an den letzten Artikel anknüpfen und dabei die Frage des Webmaster Friday beantworten: Kann Bloggen ein Beruf sein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal heraus finden, was eine Tätigkeit zu einem Beruf macht.

Was ist ein Beruf?

Es gibt zwei Arten von Berufen. Die Eine hängt hauptsächlich von der erworbenen Qualifikation oder Ausbildung ab, während die Andere nur in Verbindung mit einer Anstellung oder einem Arbeitsplatz zustande kommt.

Wer eine Ausbildung zur KfZ-Mechanikerin gemacht hat, ist auch dann noch KfZ-Mechanikerin, wenn sie zwischenzeitlich arbeitlos, in Elternzeit oder anderweitig beschäftigt ist. Andere Berufe ergeben sich nur daraus, dass man eine entsprechende Anstellung findet, z. B. als Redakteurin oder Projektmanagerin. Und macht man sich selbständig, kann man sich auch gleich eine eigene Berufsbezeichnung ausdenken.

Wichtig ist mir die Unterscheidung zwischen einem Beruf und einem Job – also einer Tätigkeit, die ausschließlich dazu dient den Lebensunterhalt zu sichern. Da die Ausführung von Berufen normalerweise Geld einbringt mit dem man seinen Lebensunterhalt sichert, gibt es hier problematischerweise Überschneidungen.

Heute wird eigentlich jeder Beruf im Sinne eines Jobs ausgeführt, man wählt diesen oder jenen Beruf und arbeitet, um Geld zu bekommen. Es ist aber wichtig sich vor Augen zu führen, dass dies nicht immer so war:

„Ursprünglich wurde der Begriff [Beruf] verwendet im Sinne von Berufung, d.h. die (als Gnade empfundene) Beauftragung mit einem bestimmten Tun, z. B. mit der Dichtung, mit der Verkündigung des Evangeliums durch Gott.

Als weltliche Arbeit im Sinne von Amt oder Stand wird der Beruf erst seit Martin Luther gefasst; doch erhielt die damit verbundene Arbeit bei Martin Luther die Würde eines göttlichen Auftrags, eines Gottesdienstes.“ [1]

Es war also umgekehrt: Der Lebensunterhalt musste gesichert werden, um Zeit zu haben dem Beruf beziehungsweise der Berufung nachgehen zu können.

Die finanzielle Anerkennung befreite die Berufenen ursprünglich vom Zwang zu Arbeiten. Die finanzielle Unterstützung durch Gönner oder eine Gemeinschaft ermöglichte den Beauftragten sich Dingen zu widmen, die von öffentlichem Interesse waren oder aus anderen Gründen als bedeutsam angesehen wurden.

Wenn man sich dies vor Augen führt und an die Leute denkt, die Karriere als Politiker machen, weiß man, was das Problem heutiger Politik ist – aber das nur am Rande. Wie sieht es mit dem Bloggen aus?

Bloggen als Beruf?

Ein Beruf in Lutherscher Tradition – ein Amt oder Stand – ist das Bloggen wohl kaum. Oder würde jemand von sich behaupten, dass er das „Amt des Bloggers“ inne hat oder dass er vom „Stand der Blogger“ ist? Wohl kaum. Das liegt weniger an der altbackenen Sprache als viel mehr daran, dass der Blogger keine für die Gesellschaft notwendige Funktion erfüllt.

In der Regel beauftragt Niemand die Bloggerin damit, ihre Meinung kund zu tun. Meistens fühlt sie sich von allein dazu berufen, ihren Senf zu diesem oder jenem Thema beizusteuern. Ganz ungefragt.

Daher ist das Bloggen sehr wohl ein Beruf – allerdings kein Job. Denn in den meisten Fällen muss man seinen Lebensunterhalt noch irgendwie anders sichern, um seiner eigentlichen Berufung nachgehen zu können.

Fußnoten

[1] – Regenbogen, Arnim und Meyer, Uwe (Hrsg.): Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 1998, Hamburg, S. 101. Nach Oben.

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2 Comments

  1. Bloggen ist wohl für die Wenigsten eine Einnahmequelle, die den Unterhalt bestreiten lässt.
    Wenn ich meinen Blog ansehe, dann sind die Einnahmen, die ich online erziele so gering, dass sie nicht einmal der Rede wert sind.
    Mit Amazonpartnerprogramm oder anderen Affiliatemarketing Partner ist nicht die Welt zu verdienen.

    Mein Blog ist eher eine Vermarktungsmaßnahme um Offline Geschäfte machen zu können.

  2. Hi,
    auch wenn unsere Blog-Themen sich vollkommen unterscheiden, bin ich auf deinen Blog gestoßen und finde besonders diesen Artikel sehr interessant.
    Ich bin gespannt wo „Blogs“ in 5 Jahren stehen, da Google ja vermehrt nach eigenen Meinungen im Web sucht, anstatt die üblichen Webseiten nach vorne zu bringen.
    In meiner Branche mit meinen Blogs läuft das schon ganz gut.

    Weiter so 🙂

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