Der rbb beendet die Zusammenarbeit mit „KenFM“-Moderator Ken Jebsen. Hierzu bezieht dieser auf den ihm zur Verfügung stehenden Kanälen Stellung:

Man kann hieran sehr gut sehen: Die Pressefreiheit ist auf dem Papier ein schönes Gut. Solange aber der Lebensunterhalt der Pressetreibenden gewährleistet werden muss, sind diese abhängig von Organisationen, deren Strukturen und Stellen. Und wer beißt schon die Hand, die einen füttert?

Dass Ken Jebsen journalistische Qualitätsstandards verletzt hat, ist Quatsch. Dass er verbindliche Vereinbarungen mit dem rbb nicht eingehalten hat, stimmt wohl eher. Es waren seine politischen Beiträge in einer Sonntags-Sendung, die doch eigentlich nur unterhalten sollte, die ihn nun also den Job gekostet haben.

Quatsch ist auch, dass es im Journalismus um objektive Fakten ginge. Tatsächlich werden Fakten erst durch Zeugen und Berichterstattung geschaffen. Das, worüber wir nicht reden, das wovon wir nicht hören, existiert für uns nicht.

Ken Jebsen hat in seinen Beiträgen Themen angesprochen, über die andere Sender lieber schweigen. Vielen Menschen sprach er damit jedoch aus der Seele. Wenn sich dadurch auf Fritz „eine sonntägliche Parallelgesellschaft“ gebildet hat, spricht das mehr für ein Problem der Gesellschaft als gegen Ken Jebsen oder seine Sendung.

Indem Ken polemisch ist und aufgeregt, aber dafür eben nicht belanglos, dadurch dass er, Stellung bezieht und Leute aufwiegelt, bewegt er sie und bringt sie in Bewegung. Dass er einen Teil von ihnen nun soweit aufgebracht hat, dass sie ihm an den Kragen wollen, spricht nur dafür, dass er alles richtig gemacht hat.

Hitzige Diskussionen, bei denen die Köpfe gegeneinander schlagen und die Leidenschaft überbrodelt, sind Politik, wie man sie hierzulande schon lang nicht gesehen hat. Was Ken Jebsen vermittelt, sind keine Fakten und auch keine Weltsicht, sondern vielmehr die Kunst einen Standpunkt zu vertreten.

Eine Kunst, die offenkundig hierzulande weder geduldet noch gewünscht wird. Und die aus einem Witz existenzbedrohenden Ernst werden lässt.

Ken Jebsen wäre nicht konsequent, wenn er diese Herausforderung nicht annähme und gestärkt daraus hervor ginge.

Update

Ken gab mittlerweile bekannt, dass es KenFM weiter geben wird und die Sendungen nun direkt über Facebook & Youtube verbreitet werden sollen.

2 Gedanken zu “Ken FM, Pressefreiheit und Streitlust

  1. Ich bin mir bei der ganzen Geschichte echt nicht so ganz sicher. Das Fritz-Statement ist natürlich ein Hammer; auch die Aussage, dass Ken abgeblich „seit ein paar Wochen verstärkt politisch ist“ ist ziemlicher Nonsens – sein Kommentar aber als Witz abzutun find ich dann auch wieder eigenartig. Denn, so lese ich nachwievor den beanstandeteten Beitrag von ihm, ist dieser durchaus kein Witz. Dieser „hohe Druck“ unter dem er ihn schrieb – das ändert doch aber nichts an einer durchaus grenzwertigen Aussage für die man logischerweise mit Konsequenzen, vor allem als Person des öffentlichen Lebens, rechnen muss.

    Die sich aber daraus ergebende Diskussion um Meinungsfreiheit & Journalismus ist in der Tat ein Armutszeugnis; letzteres ist ja auch nicht erst seit gestern ein wirklich deutliches Spiegelbild der momentanen Situation von Politik im Land…

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