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Just Dance? | Mittwoch, 7. September 2016

Moin, ihr Seiten. Der erste Erfolg des heutigen Tages lautet: Ich habe gefrühstückt. Außerdem werde ich heute endlich zum Friseur gehen und am Abend meine Gruppe in Birkenwerder unterrichten. Das sollte doch klar gehen.

Gestern war ich Schwimmen und bei der Improtheatergruppe. Beides war gut. Das könnte mir doch Mut machen. Außerdem habe ich gestern eine Email-Bestätigung bekommen, dass das mit der Immatrikulation geklappt hat. Auch das ist eine gute Nachricht.

Was mir momentan am meisten fehlt, ist etwas, woran ich mich orientieren kann. Etwas, das mir Halt gibt, an dem ich meine Zukunftspläne ausrichten kann. Ich fühle mich so orientierungslos. Der Weg, den ich bisher gegangen bin, scheint irgendwie der Falsche gewesen zu sein, sonst wäre ich ja wohl nicht da gelandet, wo ich jetzt bin.

Gleichzeitig sträube ich mich dagegen, einfach alles aufzugeben und das auch nicht erst seit gestern. 10 Jahre habe ich es als Bauchtänzerin versucht. Soll das alles umsonst gewesen sein? Wieviel Energie, wieviel Kraft, wieviel Geld habe ich in die Ausbildung, Material und Werbung gesteckt. Das kann doch nicht auf einmal nichts mehr wert sein.

Doch momentan bin ich so enttäuscht, dass es mir nicht einmal mehr SPAß macht, mich damit zu beschäftigen. Meine Begeisterung für die Kultur, Technik und Geschichte scheint wie weggeblasen zu sein. Auch auf Auftritte habe ich momentan gar keine Lust mehr. Zu frustrierend waren die Erfahrungen der letzten Monate.

Schon vor etwa ein oder zwei Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mich aus dem Tanzgeschäft zurück gezogen habe, um mich neu zu orientieren und diese Pause hat mir sehr gut getan. Ich konnte dann mit neuer Kraft an die Arbeit gehen und mich hochmotiviert in neue Aufgaben stürzen. Alles wollte ich anders und besser machen. Genützt hat es nichts.

Tanzen an sich macht noch Spaß. Aber auch nicht mehr so viel wie früher. Das liegt vermutlich an den vielen Sorgen, die mich gerade quälen. Zur Zeit schäme ich mich fast zu sagen, dass ich Bauchtänzerin bin, obwohl ich darauf eigentlich immer stolz war. Ich kriege auch durchaus positives Feedback. Viele Leute finden das toll, was ich mache. Aber mir genügt das irgendwie nicht.

Ich fühle mich wie eine Betrügerin. Wie kann ich mich Bauchtänzerin, wie kann ich mich Künstlerin nennen, wenn mich so vieles, was dieses Thema angeht, einfach nur ankotzt und belastet? Wenn es keine Nachfrage gibt und ich eigentlich so viele andere Dinge tue und tun möchte, als Tanzen, kann ich mich dann noch legitim als Tänzerin bezeichnen?

Warum muss ich dem Geld hinterher rennen? Warum muss ich Kooperationspartnern hinterher rennen? Warum kann ich mich nicht an den kleinen Erfolgen erfreuen? Ich hatte in diesem Jahr einen Auftritt, der richtig richtig gut war, bei dem einfach alles gestimmt hat. Es war aber nur ein einziger und das reicht nicht, um Profi zu sein.

Dass es allen in der Szene schlecht geht, dass die ganze Branche den Bach hinunter geht, hilft mir irgendwie nicht weiter. Es tröstet mich nicht einmal.

Ich möchte zwar viele andere Dinge ausprobieren und ich denke auch, dass ich viele andere Sachen gut machen könnte, nur fange ich da wieder bei 0 an – und das macht mir richtig Angst – während der Berg der aufgegebenen oder gescheiterten Projekte immer größer wird. Und gleichzeitig ist da immer dieser trügerische kleine Hoffnungsschimmer, der sagt, mach einfach weiter, wenn du dran bleibst, wird es schon werden. Und ich falle irgendwie immer wieder auf ihn rein.

Königin der Stäbe

Published in2016

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