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Grenzgängerin | Donnerstag, 20. Juli 2017

Moin, ihr Seiten. Jetzt bin ich also frei. Phase 1 meines lebensverändernden Plans ist erreicht. Ich gebe nun keinen Tanzunterricht mehr. Ich bin mehr als gespannt, wie das werden wird. Nun muss ich mir einen neuen sportlichen Ausgleich suchen und zwar einen, der MIR gut tut und bei dem nicht meine Schülerinnen im Mittelpunkt stehen. Schülerinnen habe ich jetzt nicht mehr.

Erstmal werde ich gar nichts machen. So viel steht fest. Denn ich habe keine Lust mir ein Hobby zu suchen. Ich habe Lust in den Tag hinein zu leben und mich gut zu fühlen. Noch bin ich aber nicht an diesem Punkt. Der rosa Elefant ist immer noch omnipräsent und die Stimmung ist allgemein schlecht. Dagegen kommt auch das gute Wetter nicht an. Sollte es heute nicht eigentlich regnen und grau werden?

Ich habe keine Lust mehr mir Gedanken darüber zu machen, warum es mir schlecht geht. Dabei kommt ja doch nichts sinnvolles rum. Ich habe Lust mich abzulenken und Dinge zu machen, die MIR gut tun, auch wenn ich nicht so recht weiß, was das sein könnte.

Gestern habe ich eine Klassenkameradin getroffen, die ich seit 10 Jahren nicht gesehen habe und es hat mir richtig gut getan, damit anzugeben, wieviel Scheiße in meinem Leben passiert ist. Angeben ist vielleicht nicht die edelste Tat, der man sich widmen kann. Aber es hat mir gezeigt, dass ich doch irgendwie stolz auf mein Leben sein kann.

Ich habe Dinge getan, Dinge gewagt, die andere Leute sich niemals trauen würden. Ich habe Sachen erlebt, die andere Leute sich nicht einmal vorstellen wollen. Es war zwar rückblickend betrachtet alles andere als gut, aber es waren auch große Herausforderungen, denen ich mich gestellt habe und es ist eigentlich kein Wunder, dass ich daran zerbrochen bin.

Was ich meiner Psyche abverlangt habe, hat mich in den Wahnsinn getrieben. Aber Wahnsinn ist gar nicht so schlimm, das weiß ich mittlerweile. Es gibt viele Dinge, die viel schlimmer sind, zum Beispiel dahinvegetieren und keinen Lebensinhalt haben. Auch diese Erfahrung durfte ich machen.

Es wird also Zeit für einen neuen Lebensinhalt. Einen, der mein Leben besser macht, mich herausfordert und an meine Grenzen bringt. Denn ich LIEBE es an meine Grenzen zu gehen. Ich LIEBE es über mich hinauszuwachsen. Das ist das, worauf es mir immer ankam, dass ICH mich weiterentwickle, die äußeren Resultate sind nur zweitranging, obwohl sie es natürlich sind, die mir die Motivation geben mich immer wieder aus meiner Komfortzone raus zu bewegen.

Grenzen sind nur temporär. Gefühle sind vergänglich und Glück ist ein Nebenprodukt eines erfüllten Lebens. Nicht umgekehrt. Ich strebe nicht nach Glück. Ich strebe nicht nach guten Gefühlen. Ich strebe danach eins mit mir selbst zu sein und mir das Beste abzuverlangen, dessen ich in der Lage bin. Power dich aus, das tut dir gut, sagen alle, wenn es um Sport geht. Wenn es um die persönliche Entwicklung und das Nervenkostüm geht, heißt es aber komischerweise immer, man solle sich schonen und nachsichtig mit sich sein.

Klar muss ein Zusammenbruch vermieden werden. Das ist auch beim Sport so. Aber ich habe mich immer am lebendigsten gefühlt, wenn ich an meine Grenzen gegangen bin, wenn es schwer war und der Ausgang ungewiss. Diese Momente waren selten schön, aber sie haben mir doch wesentlich mehr gegeben als auf der Couch hocken und Eis essen.

Published in2017

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