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Innerer Reichtum | Donnerstag, 22. Juni 2017

Moin, ihr Seiten. Vielleicht habe ich mich ein bisschen zu früh gefreut, was die Absetzung meines Medikaments und den Umgang mit meiner Krankheit betrifft. Ich hatte nicht erwartet, so schnell einen Unterschied zu merken und mich so komisch zu führen. Mein Gleichgewicht ist empfindlich gestört und ich brauche Zeit, um zu mir und zur Ruhe zu kommen.

An Lernen ist gar nicht zu denken. Ich muss vielmehr erstmal mit den ganzen Empfindungen klar kommen, die jetzt wieder auf mich einprasseln. Ich fühle mich unruhig, ängstlich und überfordert. Ich versuche mich abzulenken und meine Gedanken nicht zu sehr kreisen zu lassen. Ich bin nicht sicher, ob ich eher Ruhe oder eher Ablenkung brauche. Beides hat Vor- und Nachteile.

Bei Ruhe ist die Gefahr, dass ich mich zu sehr auf meine Innenwelt fokussiere und zum Beispiel in irgendwelche Gedankenkaruselle gerate. Bei Ablenkung ist die Gefahr mich zu viel Eindrücken und damit Stress auszusetzen, was triggernd wirken kann. Beides ist irgendwie nicht das Gelbe vom Ei und ich weiß gar nicht was ich machen soll. Wie soll ich mit diesem Gefühlsreichtum bloß umgehen?

Ich bin so froh, dass ich von diesem Medikament loskomme, gleichzeitig ärgere ich mich, dass ich es überhaupt jemals genommen habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Medikament schlimmer ist, als die Krankheit und es auch zum Höhepunkt meiner Verhaltensauffälligkeit einen anderen Weg gegeben hätte, wieder Herrin der Lage zu werden. Dafür hätte es allerdings etwas mehr Geduld gebraucht.

Nun ja, es ist wie es ist und ich muss jetzt mit den Entzugserscheinungen klar kommen und versuchen sie irgendwie mit meinem Alltag unter einen Hut zu bringen. Ich habe gestern angestrengt darüber nachgedacht, mich doch einfach krank schreiben zu lassen und mir die Zeit zu geben, in Ruhe wieder klarzukommen. Das ist aber auch keine Lösung, denn ich habe jenseits der Arbeit noch andere Verpflichtungen denen ich nachgehen muss und bei denen eine Krankschreibung rein gar nichts bringt. Die paar Stunden Arbeit werde ich wohl schaffen.

Ich fühle mich stärker im Moment, ich fühle die Zeit intensiver, ich bin wieder mehr da. Das alles ist absolut positiv, überfordert mich aber gerade ein wenig und macht mir Angst. Ich nehme mehr gleichzeitig wahr, vor allem mehr Details, kleine Geräusche, die auf einmal überpräsent wirken. Meine Gedanken sind lauter und dominanter. Meine Gefühle sind tiefer und überwältigen mich. Ich bin ziemlich verunsichert und habe Angst, wieder die Kontrolle zu verlieren.

Jede Kleinigkeit ist aufregend und löst einen Sturm an Reaktionen in mir aus. Ich verliere mich in Einzelheiten und verzettel mich. Es ist so schön, so schön am Leben zu sein. Es gibt so viel zu entdecken und zu erleben. Ich möchte einfach nur draußen rumlaufen und die Welt beobachten. Ich möchte eine Welt ohne Leistungsdruck und Konkurrenz, wo immer Sommer ist.

Ich möchte mich anderen Menschen verständlich machen können, auch die wilden Gedankensprünge. Mein reiches Innenleben beschreiben, aber mir fehlen immer die Worte dafür.  Immer! Ich weiß nicht, wo das alles hinführen soll. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen werde, meine Ziele zu erreichen oder ob ich mir selbst dabei im Wege stehe. Ich weiß nicht, ob es für meine Gesundheit gut ist, mich immer wieder aus meiner Komfortzone rauszuschubsen.

Ich weiß aber, dass es der einzige Weg ist, es immer wieder zu versuchen, denn nur so kann ich wachsen und Spuren in der Welt hinterlassen. Auch wenn es noch kleine vorsichtige Spuren sind, so denke ich doch, dass ich eine Wirkung auf meine Umwelt haben kann. Ich möchte die Welt grundlegend verändern, ich habe große Ziele. Dabei bin ich so klein und unbedeutend und so eingeschränkt in meinem Spielraum.

Published in2017

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