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Schlagwort: Albrecht Dürer

Melancholia | Sonntag, 11. September 2016

Moin, ihr Seiten. Getreu dem Motto, wenn du nicht laufen kannst, fliege, krieche ich immer noch auf allen Vieren. Früher konnte ich mich einfach wegträumen, wenn es mir schlecht ging, aber die Zeiten sind irgendwie vorbei. Jetzt kann ich mir nicht mal mehr etwas wünschen.

Was mich am meisten deprimiert, ist der Fakt, dass offenbar alle nur wollen, dass ich glücklich und zufrieden bin. Nur zu gern würde ich diese Erwartung erfüllen und alle negativen Gefühle beiseite schieben, aber es gelingt mir momentan nicht.

Am schlimmsten ist die Tatsache, dass ich so schlecht schlafe. Früher bin ich morgens aufgewacht und hatte gute Laune, egal wie schlecht der vorherige Tag war. Es begann schließlich ein neuer Tag mit neuen Chancen, neuen Möglichkeiten und neuen Aufgaben.

Woran es mir momentan mangelt, kann ich irgendwie auch nicht sagen. Ich habe das Gejammer und Selbstmitleid so satt. Trotzdem kann ich mich davon irgendwie nicht lösen. Ich kann nicht einmal mehr ein Problem identifizieren. Das wäre so schön, wenn ich sagen könnte: Das ist es. Daran liegt es. Denn dann könnte ich diese Sache einfach ändern und alles wäre besser.

Gerade habe ich wieder gelesen, dass man sein Glück nicht von anderen abhängig machen soll, sondern selbst dafür verantwortlich ist. Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt noch kommentieren soll, denn ich habe das Gefühl, es schon hundert Mal gesagt zu haben. Es ist alles so gar nicht hilfreich. Was aber ist hilfreich? Wie komme ich bloß raus aus diesem Loch?

Immer mit der Ruhe. Einen Schritt nach dem Anderen. Und immer hoffen, dass der nächste Tag besser wird und ich etwas finde, worin ich mich verlieren kann. Jammern oder nicht jammern. Nachdenken oder nicht nachdenken. Musik hören. Das neue Lied von Lady Gaga klingt gar nicht nach Lady Gaga. Dass ein DJ mein Leben retten wird, wage ich momentan auch ganz stark zu bezweifeln. Aber wer weiß…

Wie viel lustiger es doch war, meiner Kreativität keine Grenzen zu setzen und einfach alles rauszulassen, was mir in den Sinn kam. So fantastische Ideen hatte ich, die ich jetzt jedoch noch irgendwie aufbereiten muss und wo ich da anfangen soll, vermag ich irgendwie selbst nicht zu sagen: Zeitreisen, Evolutionstheorie, die schöne Helena oder Butter bei die Fische?

Ich habe nicht nur in jungen Jahren zu viel Fontane konsumiert, sondern eindeutig auch zu viel Schiller gelesen. Das ist fantastisch, weil meine Gedanken sich hinterher nur noch in Reimform artikultiert haben. Ein großartiger Spaß. Ich mag ja Schiller viel lieber als Goethe. Das ist Pathos!

Nebenher denke ich immer noch darüber nach, welchen Beitrag ich zu dieser Welt leisten kann. Ein gewöhnlicher Psycho zu sein, reicht mir einfach nicht. Ich habe immer gesagt, mein Ehrgeiz und meine Sturheit werden mich noch einmal ins Grab bringen. Gut, dass ich da noch nicht gelandet bin. Trotzdem muss ich irgendwie umdisponieren… Denn so schnell werde ich da wohl auch nicht hinkommen.

Ich hoffe, dass ich morgen endlich mal erfahre, wie es mit mir weitergeht. Ich hoffe auch, dass ich es irgendwie hinkriege, mich nicht so sehr von diesen schrecklichen Launen beherrschen zu lassen. Ich weiß bloß nicht, wie ich das anstellen soll.

Mäßigkeit