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Schlagwort: Beruf

Mein neues Leben Vol. 3 | Dienstag, 30. August 2016

Moin, ihr Seiten. Es ist soweit: Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für mich. Miss Picky will keine Foodbloggerin mehr sein.

Über ein Jahr lang habe ich bereits täglich Morgenseiten verfasst und nie hat ein menschliches Auge sie entdeckt. Mein Perfektionismus hat mich daran gehindert, sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Ich habe im Zeitraum eines Jahres ein geheimes Blog mit 836 Artikeln erstellt. Damit ist jetzt Schluss. Ich gehe an die Öffentlichkeit.

Ob es nun irgendjemand liest, was ich mir hier zusammenwurstele, ist mir eigentlich egal. Ich schreibe das in erster Linie für mich. Es macht mir Spaß mir durchzulesen, was ich an früheren Tagen geschrieben habe. Da ich aber denke, dass mein Geschreibsel durch die viele freie Übung so gut geworden ist, dass auch andere Freude daran haben könnten, habe ich mich zu diesem Schritt entschieden und werde das literarische Genre des Tagebuchs wieder zu neuem Leben erwecken.

Denn das waren Blogs doch ursprünglich: Tagebücher, in denen man seine Gedanken und Erfahrungen austauschen konnte. Aber mittlerweile werden alle Blogger darauf getrimmt, dass sie etwas verkaufen müssen und das ist doch schade. Ich habe einfach keine Lust anderen Menschen zu Diensten zu sein und meine Erfahrungen nur dafür zu nutzen, Anfängern zu helfen.

Die ganzen Amateure und Freizeit-Aktivisten (in den unterschiedlichsten kulturellen Sparten) gehen mir schon lange auf die Nerven. Ich habe mich als Bloggerin versucht, als Tänzerin und als Sängerin – überall sind nur Stümper unterwegs, denen das grundlegendste Wissen fehlt! Und sie schämen sich nicht einmal dafür, dass sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Sobald sie auch nur den kleinsten Happen an Wissen aufgesogen haben, geben sie damit an als wären sie King Kong.

Und ich denke, eine Blogosphäre oder ein Ausbildungsmarkt, der sich nur an den Interessen dieser schreienden Hämpflinge orientiert, denen man alles auf dem Silbertablett servieren muss, damit sie überhaupt registrieren, dass sie ja noch gar keine „Experten“ auf ihrem Gebiet sind, ist tot. Gott ist vielleicht nicht tot. Der Coaching-Markt ist es jedoch ganz sicher und ich behaupte steif und fest, dass das die nächste große Blase ist, die platzen wird.

Alle sind heutzutage so kreativ und wollen mit ihrem Hobby erfolgreich sein und es zum Beruf machen. In manchen Sparten gab es vielleicht schon immer die Leute, die einen einzigen Kurs besucht haben und dann ihre eigene Schule gegründet haben. Solche Blender sind verantwortungslos und gefährlich. Was mich am meisten ankotzt, ist dass sie auch gar kein Ehrgefühl haben. Sie behaupten einfach, sie täten etwas „auf hohem Niveau“ und schon scheint es wahr zu sein. Dadurch sind sie den Leuten, die ernsthaft arbeiten und sich bemühen, immer einen Schritt voraus, was die Selbstdarstellung betrifft.

So ein Publikum, das meine unausgegorenen Ideen frisst und anderen als Stein der Weisen verkauft, möchte ich nicht bedienen. Ich möchte auch keine täglichen Anfragen von Idioten, die Hilfe bei den einfachsten Sachen brauchen. Ich bin nicht Mutter Teresa und ich will es nicht sein. Ich möchte einfach nur die Dinge tun, die mir Spaß machen und davon meinen Lebensunterhalt sichern. Das kann nicht zu viel verlangt sein! Es ist eigentlich weniger als das Minimum.

Die „Man muss es nur ein wenig abändern“-Mentalität geht mir unendlich auf die Nerven und regt mich richtig auf. Ich arbeite professionell und ich möchte mit Profis arbeiten und nicht mit Idioten. Darum braucht mein Leben eine grundlegende Änderung und ich beginne damit, meine Schreibübung, mein Morgengebet, meine täglichen Seiten öffentlich zu machen. Macht damit, was ihr wollt. Aber geht mir um Himmels Willen nicht mit dummen Fragen auf die Nerven.

Ich denke Ratgeber-Chatbots sind groß im Kommen. Das ist die nächste Generation der Content-Blogger. Ich hoffe, die Ratgeber-Blogger haben sich schon mal ein neues Standbein gesichert. Vorträge gehen wohl noch. Beim Videomarkt gibt es vielleicht auch noch Platz, aber die Konkurrenz ist schon groß. Der Eventmarkt läuft zur Zeit noch, aber zum Beispiel hier in Berlin gibt es so ein Überangebot an Kursen, Workshops, Motto-Parties, Networking-Events usw. dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch hier gar nichts mehr zu holen ist.

Und dann kommen die Nachmacher aus Buxtenhausen, klauen deinen Beschreibungstext und verkaufen ihn ihrem Provinz-Publikum, das so etwas Innovatives noch nie gehört hat. Ich sitze derweil allein hier, weiß nicht, wie ich meine Miete bezahlen soll und weine.

Scheitern sei nicht mehr möglich heutzutage, las ich kürzlich. Die These konnte mir nur ein müdes Lächeln abringen. Ihr nennt das heutzutage halt anders und ihr macht es vielleicht auch nicht mehr. Außerhalb eurer Filterbubble gibt es das Phänomen aber noch. Umdefiniert wurde es wohl, ändert aber nichts daran, dass es existiert. Misserfolge – wer möchte das schon?

Deswegen ist es so wichtig, hin und wieder einfach mal die Schnauze zu halten und zu hören, was andere Menschen zu sagen haben. Fehlende Streitkultur nennt man das neudeutsch.

Noch kurz etwas zur Ironie des Schicksals: Ich habe einmal einer Freundin einen Rat gegeben. Ich sagte, um ein erfolgreicher Blogger zu werden, genügt es jeden Tag einen Beitrag zu veröffentlichen. Ihr Mann betreibt nun einige Jahre später ein erfolgreiches Technik-Portal. Wir werden sehen, wie weit es mich bringt, meine eigenen Ratschläge zu befolgen.

Tageskarte: Der Hierophant

Auf zu neuen Ufern

Tulpen

Blicken wir den Tatsachen ins Auge: Dieser Blog wird sich nicht wieder erholen und auch die Eule hat genug von der vielen Aufregung. Darum ist es hier fürs Erste vorbei mit der Bloggerei.

Tatsächlich lief Erdbeerfleisch, wenn ich ehrlich bin, nie so wie ich es mir vorgestellt hatte. In keiner Hinsicht. Die meiste Zeit war es ein Krampf. Und auch wenn es mir grundsätzlich schwer fällt, loszulassen, so ist doch der Zeitpunkt gekommen, es einzusehen:

Dieses Blog hat keine Zukunft.

In der nächsten Zeit werde ich daher diese Seite komplett umbauen. Ich werde nichts löschen, alle Artikel bleiben bestehen, aber sie werden nicht mehr im Mittelpunkt der Seite stehen, sondern nur noch im Hintergrund als Archiv fungieren.

In erster Linie soll der Name Erdbeerfleisch und diese Webseite hier zukünftig meiner beruflichen Selbständigkeit dienen.

Da noch nicht ganz klar ist, wie diese aussehen wird und wann es so richtig losgeht, kann ich auch noch nicht so wirklich sagen, wie diese Seite dann aussehen wird und wann ich die wirklich großen Neuerungen in Angriff nehmen werde…

Aber sie werden kommen.

Ich blogge weiterhin hier:

Und ganz neu:
Mein persönliches Blog findest du ab sofort unter yuliyah.wordpress.com

Ich sage der deutschen Blogosphäre Adieu und probiere mein Glück nun in Englisch und auf internationalem Parkett! See you there!

And don’t forget to think big. Sky is the limit. Cheers!

Berufung Bloggen

Das Thema des dieswöchigen Webmaster Friday Bloggen als Beruf? gibt mir die Gelegenheit einige Überlegungen aus meinem letzten Artikel Arbeitskraft – mein größtes Vermögen? etwas klarer auszuformulieren. Ich möchte daher an den letzten Artikel anknüpfen und dabei die Frage des Webmaster Friday beantworten: Kann Bloggen ein Beruf sein?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir erst einmal heraus finden, was eine Tätigkeit zu einem Beruf macht.

Was ist ein Beruf?

Es gibt zwei Arten von Berufen. Die Eine hängt hauptsächlich von der erworbenen Qualifikation oder Ausbildung ab, während die Andere nur in Verbindung mit einer Anstellung oder einem Arbeitsplatz zustande kommt.

Wer eine Ausbildung zur KfZ-Mechanikerin gemacht hat, ist auch dann noch KfZ-Mechanikerin, wenn sie zwischenzeitlich arbeitlos, in Elternzeit oder anderweitig beschäftigt ist. Andere Berufe ergeben sich nur daraus, dass man eine entsprechende Anstellung findet, z. B. als Redakteurin oder Projektmanagerin. Und macht man sich selbständig, kann man sich auch gleich eine eigene Berufsbezeichnung ausdenken.

Arbeit 2.0 – Literatur

Die Bachelorarbeit ist fertig und ich kann nun endlich den letzten Teil der Materialsammlung zum Thema Arbeit 2.0 präsentieren. Für alle, die sich also für das Thema Arbeit 2.0 interessieren, sind hier ein paar alphabetisch sortierte Buchtipps.

Zygmunt Bauman:

Verworfenes Leben. Die Ausgegrenzten der Moderne

Über die Verlierer der Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht.

In seinem neuen Buch blickt Zygmunt Bauman hinter die Kulissen unserer globalisierten Gegenwart.

Seine These trifft den Kern der neuzeitlichen Rationalität: Ein Ergebnis von Modernisierungsprozessen besteht in der Exklusion von Menschen aus den sozialen, nationalstaatlichen und kulturellen Zusammenhängen.

Ortlose Migranten, Flüchtlinge und für »überflüssig« gehaltene Menschen – in ihrem Schicksal manifestiert sich die Tatsache, daß die Entwicklung der modernen Gesellschaften in ökonomischer und politischer Hinsicht nicht etwa in der Integration aller besteht.

Frithjof Bergmann:

Neue Arbeit, neue Kultur: Ein Manifest

Berufung statt Beruf!

Wir leiden nicht nur an schwindenden Arbeitsplätzen, sondern vor allem auch an dem, was der Philosoph Hegel „die Armut der Begierde“ nannte. Gemeint ist damit die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren.

Nicht zuletzt deshalb klammern wir uns an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und wir verzweifeln übermäßig, wenn wir sie verlieren.

Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir uns mehr auf das besinnen, was wir „wirklich wirklich wollen“.