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Schlagwort: Generation

Leben wir in verschiedenen Welten?

Normalerweise beschwöre ich ja keine Generationenkonflikte und linke auch nicht auf die Artikel sogenannter „Qualitätsmedien“. Bei beidem muss ich heut mal eine Ausnahme machen. Ich geriet nämlich kürzlich an einen ZEIT-Artikel von Anita Blasberg mit dem Titel „Die schon wieder!“, der mich in Gedanken schon eine ganze Weile beschäftigt.

Die Autorin zeichnet darin ein Portrait von unserer gealterten Gesellschaft und auch wenn einige Argumente etwas überspitzt sind, treffen sie doch einen wesentlichen Punkt. Ich zitiere – und setze mich damit einer unsicheren Rechtslage aus, für die übrigens eben jene hier kritisierten Generation verantwortlich ist:

Die Babyboomer sind und waren immer: die Mehrheit. Sie sind es gewohnt, dass das, was sie beschäftigt, auch die ganze Gesellschaft beschäftigt. Jetzt, in ihren besten Jahren, sitzen sie an den Schaltstellen des Landes: Die Kanzlerin ist eine Babyboomerin, genau wie die meisten deutschen Ministerpräsidenten. Die Gruppe der über 48-Jährigen stellt die große Mehrheit der Konzernvorstände sowie die einflussreichsten Publizisten.

Generation Gegenwart

Piotr Czerski schreibt in der ZEIT unter dem Titel „Wir, die Netzkinder“ treffend über unsere Generation:

Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders. Das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir „surfen“ nicht im Internet und das Internet ist für uns kein „Ort“ und kein „virtueller Raum“.

Internet Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.

Ein weiterer – meiner Ansicht nach entscheidender – Unterschied besteht darin, dass wir Netzkinder eine sehr aktive und schöpferische Generation sind. Für uns ist es selbstverständlich alle Möglichkeiten zu haben, unsere Talente zu nutzen, die Realität zu gestalten und mit anderen zu teilen. Einmischen ist hier das Schlagwort.

Internet Access Here SignWir sind keine passiven Fernseh-Empfänger, die eine ihnen präsentierte Wirklichkeit aufnehmen wie ein Schwamm.

Wenn wir etwas wissen oder haben wollen, dann suchen wir danach. Wir warten nicht darauf, dass die Möglichkeiten zu uns kommen, wir ergreifen die Initiative. Wenn wir etwas nicht finden, wenn es etwas nicht gibt, dann erschaffen wir es.

Wir interessieren uns für vielerlei und wir schaffen unsere eigene Öffentlichkeit. Hin und wieder überschneiden sich mehrere dieser Öffentlichkeiten. Dann entstehen neue Impulse und Diskurse. Und die Welt wird wieder ein Stückchen besser.