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Schlagwort: Improvisationstheater

Raus aus dem Schneckenhaus | Mittwoch, 21. September 2016

Moin, ihr Seiten. Es ist ein freundlicher Tag. Die Sonne scheint. Ich fühle mich ganz gut.

Gestern habe ich meinen offiziellen Lebenslauf überarbeitet und ihn bei Studentenjob hochgeladen. Als nächstes werde ich mein journalistisches Talent also dafür nutzen, Bewerbungsschreiben zu verfassen. Außerdem möchte ich heute unbedingt Schwimmen gehen. Das werde ich wohl gleich als Erstes tun. Schwerelos davon schweben. Ich mag diese Art von Sport viel lieber als Rennen beispielsweise. Das mag ich gar nicht.

Die Theatergruppe ist gestern leider ausgefallen. Stattdessen hatten sie eine kleine Aufführung, die ich mir sogar angeschaut habe. Aber ich möchte wirklich aktiv werden, deswegen freue ich mich darauf, wenn es nächste Woche wieder stattfindet. Am Sonntag gehe ich zu einer Gospel A Capella Session. Das habe ich gerade entschieden. Bin gespannt, wie es wird.

Bezüglich der Bewerbungen weiß ich noch gar nicht so recht, wo ich meinen Fuß in die Tür stellen soll. Aber ich werde einfach erstmal schauen, welche Stellenausschreibungen ich ansprechend finde und mich daran orientieren. Es ist jetzt erstmal wichtig kurzfristig etwas zu finden, das mir wenigstens ein bisschen Spaß machen könnte.

Ideal wäre etwas, wobei man ein bisschen extrovertierter sein müsste. Das würde mir helfen, aus meinem Schneckenhaus heraus zu kriechen. Ich kann ja kommunikativ und offen sein, aber dafür brauche ich schon einen Anlass. Mit Menschen in Kontakt zu kommen, das würde mir definitiv mehr Spaß machen als ein Bürojob. Also mal sehen. Rom wurde nicht an einem Tag gebaut.

Zehn der Stäbe

Das kleine Künstler-Ego | Samstag, 10. September 2016

Moin, ihr Seiten. Ich bin wieder im Krankenhaus. Aber in einem anderen Krankenhaus. Auf einer Station, die speziell für junge Leute ist. Es ist eigentlich ganz nett da. Alles ist freundlich, hell und die Aussicht ist fantastisch. Es gibt einen sehr schönen Garten.

Mir ging es nämlich wieder schlechter. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und auch sonst habe ich mich absolut komisch gefühlt. Nachdem ich mich dann am Morgen übergeben habe, entschied ich, ins Krankenhaus zu fahren. Ich hätte am Dienstag eh einen Termin gehabt. Jetzt bin ich halt schon früher da.

Wie es darüber hinaus weitergeht, weiß ich immer noch nicht so recht. Ich sehe weder eine lang- noch eine kurzfristige Perspektive. Ich muss aber weiter machen. Es hat mir Mut gemacht, mich auf der Station mit ein paar Mädels zu unterhalten, die schon länger mit diesen Themen zu tun haben.

Ich denke jetzt nicht mehr, dass ich mich zusammen reißen muss. Ich denke, dass ich Geduld brauche. So ein Energielevel, wie ich vor dem Krankenhaus hatte, werde ich so schnell wohl nicht wieder erreichen und es ist vielleicht auch besser so. Vielleicht auch nicht. Demut ist die Tugend der Stunde. Mit der Dankbarkeit hapert es noch.

Ich will versuchen, mein Selbstbewusstsein wieder soweit zusammen zu kratzen, dass ich wieder auf die Bühne gehen kann. Beim Classic Open Air habe ich mich so wohl gefühlt. Das ist meine Welt. Ich bin in Theater & Oper groß geworden. Ich fühle mich da zu Hause. Ich bin bloß nicht sicher, wie ich da einen Fuß in die Tür kriegen soll. Schließlich habe ich so gesehen keine professionelle Ausbildung in dem Bereich.

Classic Open Air was absolutely wonderful. Thank you #berlin for being my capital <3

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Eventuell könnte ich das noch nachholen, aber das wird mit viel Arbeit verbunden sein und am allerdringendsten brauche ich momentan einen Job.

Am Dienstag war ich ja beim Improtheater. Da will ich nächste Woche unbedingt wieder hingehen. Ich brauche Training. Ich brauche Erfahrung. Was ich auch probieren will, sind Lesebühnen oder Poetry Slams – aber damit hatte ich bisher gar nichts am Hut. Insofern ist die Hemmschwelle riesig!

Singen will ich unbedingt auch. Gerade weil ich so lange nicht gesungen habe und mich darin jetzt so richtig schlecht fühle, MUSS ich das machen. Alles, was es wert ist, gut getan zu werden, ist es auch wert, schlecht getan zu werden und am Anfang ist es IMMER schlecht, deswegen muss man es TROTZDEM machen, sonst wird es nie was.

Wenn ich in den letzten Jahren etwas über Kunst gelernt habe, dann das. Der einzige Weg, um den Perfektionismus zu überwinden ist, etwas einfach richtig schlecht zu machen, es wird dann irgendwann von allein besser. Sobald man aus dem Training ist, beginnt der Verfall. Und die Konkurrenz schläft nicht.

Es heißt also: Alle Zweifel beiseite schieben und dann Fake it till you make it. Wenn Tanzen keinen Spaß mehr macht, brauche ich etwas anderes, das meine Lebensgeister zurück bringt, damit ich mich wieder dem Ernst des Lebens widmen kann ohne zu kollabieren.

Königin der Kelche

Just Dance? | Mittwoch, 7. September 2016

Moin, ihr Seiten. Der erste Erfolg des heutigen Tages lautet: Ich habe gefrühstückt. Außerdem werde ich heute endlich zum Friseur gehen und am Abend meine Gruppe in Birkenwerder unterrichten. Das sollte doch klar gehen.

Gestern war ich Schwimmen und bei der Improtheatergruppe. Beides war gut. Das könnte mir doch Mut machen. Außerdem habe ich gestern eine Email-Bestätigung bekommen, dass das mit der Immatrikulation geklappt hat. Auch das ist eine gute Nachricht.

Was mir momentan am meisten fehlt, ist etwas, woran ich mich orientieren kann. Etwas, das mir Halt gibt, an dem ich meine Zukunftspläne ausrichten kann. Ich fühle mich so orientierungslos. Der Weg, den ich bisher gegangen bin, scheint irgendwie der Falsche gewesen zu sein, sonst wäre ich ja wohl nicht da gelandet, wo ich jetzt bin.

Gleichzeitig sträube ich mich dagegen, einfach alles aufzugeben und das auch nicht erst seit gestern. 10 Jahre habe ich es als Bauchtänzerin versucht. Soll das alles umsonst gewesen sein? Wieviel Energie, wieviel Kraft, wieviel Geld habe ich in die Ausbildung, Material und Werbung gesteckt. Das kann doch nicht auf einmal nichts mehr wert sein.

Doch momentan bin ich so enttäuscht, dass es mir nicht einmal mehr SPAß macht, mich damit zu beschäftigen. Meine Begeisterung für die Kultur, Technik und Geschichte scheint wie weggeblasen zu sein. Auch auf Auftritte habe ich momentan gar keine Lust mehr. Zu frustrierend waren die Erfahrungen der letzten Monate.

Schon vor etwa ein oder zwei Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mich aus dem Tanzgeschäft zurück gezogen habe, um mich neu zu orientieren und diese Pause hat mir sehr gut getan. Ich konnte dann mit neuer Kraft an die Arbeit gehen und mich hochmotiviert in neue Aufgaben stürzen. Alles wollte ich anders und besser machen. Genützt hat es nichts.

Tanzen an sich macht noch Spaß. Aber auch nicht mehr so viel wie früher. Das liegt vermutlich an den vielen Sorgen, die mich gerade quälen. Zur Zeit schäme ich mich fast zu sagen, dass ich Bauchtänzerin bin, obwohl ich darauf eigentlich immer stolz war. Ich kriege auch durchaus positives Feedback. Viele Leute finden das toll, was ich mache. Aber mir genügt das irgendwie nicht.

Ich fühle mich wie eine Betrügerin. Wie kann ich mich Bauchtänzerin, wie kann ich mich Künstlerin nennen, wenn mich so vieles, was dieses Thema angeht, einfach nur ankotzt und belastet? Wenn es keine Nachfrage gibt und ich eigentlich so viele andere Dinge tue und tun möchte, als Tanzen, kann ich mich dann noch legitim als Tänzerin bezeichnen?

Warum muss ich dem Geld hinterher rennen? Warum muss ich Kooperationspartnern hinterher rennen? Warum kann ich mich nicht an den kleinen Erfolgen erfreuen? Ich hatte in diesem Jahr einen Auftritt, der richtig richtig gut war, bei dem einfach alles gestimmt hat. Es war aber nur ein einziger und das reicht nicht, um Profi zu sein.

Dass es allen in der Szene schlecht geht, dass die ganze Branche den Bach hinunter geht, hilft mir irgendwie nicht weiter. Es tröstet mich nicht einmal.

Ich möchte zwar viele andere Dinge ausprobieren und ich denke auch, dass ich viele andere Sachen gut machen könnte, nur fange ich da wieder bei 0 an – und das macht mir richtig Angst – während der Berg der aufgegebenen oder gescheiterten Projekte immer größer wird. Und gleichzeitig ist da immer dieser trügerische kleine Hoffnungsschimmer, der sagt, mach einfach weiter, wenn du dran bleibst, wird es schon werden. Und ich falle irgendwie immer wieder auf ihn rein.

Königin der Stäbe

Die Freiheit der Anderen | Dienstag, 6. September 2016

Moin, ihr Seiten. Heute Nacht habe ich von ziemlich viel Scheiße geträumt und das meine ich ausnahmsweise mal wörtlich. Es wurde einfach immer mehr und ich habe mich schließlich so geekelt, dass ich davon aufgewacht bin, von einem Würgereiz. Scheinbar ist mein Unterbewusstsein also auch so langsam wieder auf der Höhe und lässt mich wissen, was es von der Gesamtsituation hält. Da wundert es mich dann auch wieder nicht, dass ich unter Appetitlosigkeit leide.

Ich hangele mich von Tag zu Tag und versuche herauszufinden, was ich mit meiner Freiheit anfangen soll. Das Problem ist, dass ich momentan gar nicht richtig weiß, wozu ich überhaupt noch in der Lage bin. Ich dachte immer, ich könnte alles schaffen und ich war stolz darauf, für jedes Problem schnell eine Lösung finden zu können.

Mittlerweile nervt mich alles nur noch. Der kleinste Widerstand scheint unüberwindbar. Dabei frage ich mich, ob das vielleicht nicht nur eine Trotzreaktion ist. Bin ich eine beleidigte Leberwurst, die sich enttäuscht von allen Möglichkeiten abwendet?

Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, meinem inneren Giftzwerg öfter mal Ausgang zu gewähren und DAS ist mir nun ausgerechnet gelungen. Insofern könnte ich sagen, Ziel erreicht. Dass ich damit etliche Leute vor den Kopf stoßen würde, hätte ich ja ahnen können. Nur mit dem Ausmaß der Katastrophe habe ich nicht gerechnet.

Einfach mal alles raus lassen und ganz du selbst sein, das habe ich geübt. Drama Queen, oberste Bitch Liga, eine große Künstlerin wollte ich sein und meinen eigenen Maßstäben bin ich tatsächlich sogar gerecht geworden. Dumm nur, dass dann auf einmal jemand einen Krankenwagen rief und ich nun eine schwerwiegende psychische Erkrankung habe, die ich auch beim besten Willen nicht leugnen kann.

Dass ich anders bin, als andere Menschen, war mir ja schon immer klar und ich glaube, das merken andere Leute auch schnell, wenn sie mit mir zu tun haben. Die Frage ist jetzt: Ist das noch Kunst oder kann das weg? Ist das noch Drama? Ist das noch Talent? Oder ist das schon Abschaum? Das ist die Klippe, an der ich stehe.

Ich persönlich denke ja, es ist Talent. Ich persönlich denke ja, ich sollte gefördert werden. Nur wie und von wem und mit was, das habe ich noch nicht verstanden. Es heißt also probieren. Improvisationstheater ist meine erste Station. Das ist besser als den Leuten auf der Straße Verträge aufzuschwatzen.

Ich könnte mir so vieles vorstellen. Ich würde auch gern Vorträge halten oder Texte vorlesen. Das ist eigentlich ein echt großer Schritt in meiner Entwicklung, denn Sprechrollen waren bisher etwas, wovor ich am meisten Angst hatte.

Da ich mich aber durch das Musizieren und das Sprachen-Lernen (vor allem Aussprache üben macht mir Spaß) so langsam auch mit meiner Stimme angefreundet habe, würde ich auch in dieser Richtung gern mehr wagen. Ich habe zu allen Musikern, mit denen ich gearbeitet habe, gesagt, mein Körper ist mein Instrument und das glaube ich nach wie vor.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand helfen würde, meine finanzielle Situation wieder in den Griff zu kriegen. Es muss doch irgendwelche Förderungen für Verrückte wie mich geben? Ich habe der Welt viel zu geben und ich denke, es ist für alle Beteiligten sicherer, wenn ich auf der Bühne ausraste anstatt in meinem Privatleben 😉 Dazu müsste ich es nur erst einmal auf die Bühne schaffen.

Von Kommentaren à la Genie und Wahnsinn bitte ich jedoch abzusehen. Dann bilde ich mir bloß wieder was drauf ein und die nächste Person mit der ich spreche, unterstellt mir Größenwahn. Kein Arzt hat so etwas zu mir gesagt. Nur wohlmeinende, besorgte Mitbürger. Wie wenig ich mich darüber freuen kann…

Sechs der Stäbe