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Schlagwort: Spiegel

Wunschkonzert | Mittwoch, 14. September 2016

Moin, ihr Seiten. Die Sonne steht schon hoch am Himmel. Als ich aufgewacht bin, war sie ganz rot. Der Tag sieht freundlich aus, wie auch schon die Tage zuvor. Anderthalb Stunden habe ich noch zu Hause. Dann muss ich wieder ins Krankenhaus.

Ich daddle so vor mich hin und versuche etwas zu finden, was mir Freude bereiten könnte, finde aber nichts. Nach wie vor denke ich darüber nach, wie ich mein Leben ändern könnte, da ich aber absolut kein Geld habe, fallen die meisten Sachen flach.

Ich sollte wirklich öfter ausgehen. Für die nächste Zeit habe ich mir vorgenommen einmal pro Woche Schwimmen zu gehen, zum Improtheater, Tanzunterricht 3x pro Woche und dann kommen ja ab Oktober noch so ein paar Vorlesungen etc. dazu. Außerdem brauche ich nach wie vor einen Job.

Früher habe ich es sehr genossen, allein zu sein und ich konnte mich immer selbst beschäftigen. Zur Zeit fällt mir das sehr schwer. Am Computer zu sitzen macht mir gar keinen Spaß. Ich kann mich auch nicht dazu aufraffen über einen längeren Zeitraum konzentriert zu arbeiten. Dabei brauche ich eigentlich nichts dringender als ein Projekt, das mich voll in Beschlag nimmt.

Mit den Mitmenschen läuft es auch alles andere als gut. Ich sehe mich irgendwie nicht in der Lage den Kontakt aufrecht zu erhalten. Vor einem Monat noch habe ich jeden Tag allen möglichen Leuten geschrieben. Mittlerweile fällt es mir sogar schwer auf Nachrichten zu antworten. Ich bin irgendwie völlig lethargisch. Wenn ich allein bin, bin ich unzufrieden. Wenn jemand anderes da ist, gehen mir diejenigen allzu schnell auf die Nerven.

Einerseits nutzt es gar nichts im Krankenhaus rumzuhängen. Andererseits nutzt es gar nichts zu Hause rumzuhängen. Noch nie in meinem Leben habe ich in so einem Loch gesteckt und ich weiß gar nicht, wie ich rauskommen soll. An wen soll ich mich bloß wenden? Wie kriege ich nur das Gefühl von Bedeutung wieder in mein Leben?

Mein Humor ist weg. Meine Freude an Musik ist weg. An Geduld mangelt es mir am meisten. Aber davon hatte ich eh nie besonders viel. Mein Selbstverständnis ist zerstört. Ich bin jetzt nichts besonderes mehr. Ich bin nur eine von Milliarden Menschen, die alle auf die ein oder andere Weise leiden und dieselben Probleme haben.

Kurz: Ich bin so, wie ich nie sein wollte. Und ich kann es mir nicht schön reden. Die wundersame Reise zu meinem Ego endete in einem Spiegelkabinett, das ich mutwillig zerstört habe und so sitze ich nun in einem Scherbenhaufen und sehe weit und breit nichts als gähnende Leere.

Mir ging es immer nur darum, dazu zu lernen, mich selbst zu verbessern, meine Ziele zu verfolgen, um die Welt ein bisschen schöner zu machen. Die Ziele sind weg. Die Welt macht, was sie will. Ende der Geschichte.

Leider nicht. Leider geht die Geschichte weiter und ich bin immer noch nicht gut genug, um eine Hauptrolle zu bekommen. Dabei ist das doch mein Film… Aber kann man gleichzeitig Regisseur und Schauspieler sein? Vor allem wenn man eigentlich Sängerin sein möchte und Tänzerin?

Bube der Stäbe